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Die Tour de France in Deutschland

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Zwölf Jahre lang hat die Tour de France einen Bogen um Deutschland gemacht. Nun kehrt sie erstmals nach 2005 wieder zurück. Düsseldorf ist der Schauplatz des Grand Départ der Tour 2017. Die Beziehung des deutschen Publikums zum wichtigsten Radrennen der Welt ist nicht ungetrübt. Die große Begeisterung der Ullrich-Jahre wich der Abscheu nach den Dopingskandalen ab 2006. Da war die erste Begegnung der Deutschen mit dem Sommerspektakel der französischen Nachbarn schon mehr als 40 Jahre her. 1964 machte die Tour erstmals in Deutschland halt und wurde staunend empfangen. 

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Reporter Rudi Michel über die Werbekarawane der Tour 1964

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Rudi Altig wird 1964 Zweiter in Freiburg.

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Die Etappe konnte der große deutsche Radstar der sechziger Jahre zwar nicht gewinnen, aber dank seines zweiten Platzes auf der Etappe nach Freiburg  eroberte Rudi Altig das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Unter frenetischem Jubel des Freiburger Publikums. 19 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Besuch der Tour de France in Deutschland jedoch weit mehr als nur ein Sportereignis. 

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Der damalige Oberbürgermeister von Freiburg Dr. Eugen Keidel über den Besuch der Tour de France

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Nach Freiburg kehrt die Tour erst 1971 wieder zurück. Doch schon ein Jahr nach dem ersten Abstecher ins Nachbarland macht die Frankreich-Rundfahrt erneut Station in Deutschland. 1965 startet die Tour de France in Köln. 70.000 Mark muss die Stadt dafür auf den Tisch legen. Der damalige Oberbürgermeister Theo Burauen schickt die Fahrer an der Kölner Sporthalle auf die Strecke. Für die Kölner Radprofis Rolf Wolfshohl und Karl-Heinz-Kunde ist der Tourstart in ihrer Heimatstadt auch im Rückblick noch ein ganz besonderes Ereignis.  

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Tourstart in Köln 1965 - Rolf Wolfshohl und Karl-Heinz Kunde erinnern sich.

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Das Feld der Tour 1965 wird am Kölner Dom gesegnet.

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Auch in den siebziger Jahren kommt die Tour regelmäßig nach Deutschland. 1970 endet die 8. Etappe in Felsberg im Saarland, die 9. Etappe startet in Saarlouis. Im Jahr darauf ist Freiburg zum zweiten Mal Gastgeber für die Tour. Die 1. Etappe wird in drei Teiletappen ausgeführt, das zweite Teilstück endet, das dritte Teilstück startet dort. Die Begeisterung des Publikums nimmt zu, auch wenn deutsche Etappensiege zum Leidwesen der Reporter ausbleiben.

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ARD-Reporterlegende Herbert Watterott über die siebziger Jahre

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1977 ändert sich die Situation des deutschen Radsports und der Reporter schlagartig. Dietrich Thurau begeistert mit 15 Tagen im Gelben Trikot und löst einen ersten Radsport-Boom in Deutschland aus. Zufällig macht die Tour in diesem Jahr zum dritten Mal in ihrer Geschichte in Freiburg Station. Thurau ist da immer noch in Gelb. Das Peloton legt im Breisgau einen Ruhetag ein und wo immer der "blonde Engel" auftaucht, herrscht pure Begeisterung.

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Dietrich Thurau über die Begeisterung in Freiburg 1977

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Herbert Watterott über Dietrich Thuraus Erfolge

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Drei Jahre nach Thuraus gefeiertem Auftritt bei der Tour de France 1977 darf seine Heimatstadt tatsächlich den Start der Rundfahrt ausrichten. Am 26. Juni – einem Donnerstag – führt der 7,6 Kilometer lange Prolog durch die Frankfurter Innenstadt. Die Hoffnungen auf einen Sieg Thuraus erfüllen sich jedoch nicht. Der Sieger heißt Bernard Hinault, der in den beiden Jahren zuvor jeweils die Tour gewonnen hatte. Thurau wird mit 22 Sekunden Rückstand Fünfter und muss danach einen positiven Dopingtest bei den deutschen Meisterschaften in der Woche zuvor erklären. 

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Dietrich Thurau über seine positive Dopingprobe 1980

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Herbert Watterott über den Dopingfall Thurau

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Der Begeisterung am Streckenrand tut der positive Test daher auch keinen Abbruch. Die Tour bleibt drei Tage in Frankfurt. Für 2,2 Millionen Mark gibt es am Tag nach dem Prolog noch zwei der damals noch üblichen Halbetappen. Das erste Teilstück führt über 133 Kilometer von Frankfurt nach Wiesbaden, am Nachmittag steht ein 45,8 Kilometer langes Mannschaftszeitfahren zurück nach Frankfurt an. Der Niederländer Gerrie Knetemann trägt das Gelbe Trikot, als die Tour die Mainmetropole Richtung Frankreich verlässt. Nach Deutschland kehrt sie erst sieben Jahre später wieder zurück.

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Auftakt der Tour de France 1987 in Berlin

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Der Start der Tour de France in West-Berlin ist ein Politikum. Die damals noch geteilte Stadt wird 750 Jahre alt und der Tourstart soll nach dem Willen des damaligen Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen ein Höhepunkt der Feierlichkeiten werden. Sehr zum Ärger der DDR-Staatsspitze. Drei Millionen Mark lässt sich der Westberliner Senat das Ereignis kosten, was einigen Kritikern übel aufstößt. Der franzöische Ministerpräsident Jaques Chirac reist eigens an und nennt die Mauer "absurd". Die Radprofis stehen unterdessen ratlos vor dem Bauwerk und einige von ihnen verlieren dabei sogar die Orientierung.

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Herbert Watterott über den "Ausflug" einiger Fahrer nach Ost-Berlin

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Auch in Berlin verweilt die Tour nicht nur einen Tag. Nach dem Prolog werden einen Tag später auch hier wieder zwei Halbetappen ausgefahren. Das erste Teilstück führt über 105 Kilometer vom Brandenburger Tor durch alle zwölf West-Berliner Stadtbezirke zum Schöneberger Rathaus. Danach trägt mit Lech Piasecki zum ersten Mal in der Geschichte der Tour de France ein Pole das Gelbe Trikot, das er auch nach dem Mannschaftszeitfahren am Nachmittag behält.

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Herbert Watterott über das Gelbe Trikot für Piasecki

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Nach dem Auftakt in Berlin finden noch drei weitere Etappen in Deutschland statt. Die 3. Etappe führt von Karlsruhe nach Stuttgart, die 4. Etappe von Stuttgart nach Pforzheim. Dort startet das Feld am nächsten Tag Richtung Straßburg. Die Zuschauer kommen in Massen. Zwischen Karlsruhe und Stuttgart stehen 1,4 Millionen Menschen am Straßenrand. Und das obwohl Deutschland damals Tennisland ist und Steffi Graf am selben Tag das Wimbledon-Finale gegen Martina Navratilova bestreitet. Es ist ein Vorgeschmack auf die grenzenlose Begeisterung, die Jan Ullrich mit seinem Toursieg 1997 auslöst.

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Herbert Watterott über den Ullrich-Boom

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Bevor Ullrichs Toursieg die Deutschen endgültig mit dem Tourfieber inifziert, kommt die Rundfahrt nur noch einmal in Deutschland vorbei. 1992 ist Koblenz das Ziel der 8. Etappe. Zwischen 2000 und 2005 macht die Tour dann drei Mal einen Abstecher ins Nachbarland. Freiburg (2000), Saarbrücken (2002), Karlsruhe und Pforzheim (2005) sind in dieser Zeit Etappenorte. Das Peloton wird von Millionen Menschen entlang der Strecke gefeiert. Die Begeisterung ist grenzenlos.

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Begeisterung für die Tour in Deutschland

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Die Tourkarawane rollt dann nach 2005 aber erst einmal gar nicht mehr durch Deutschland. Der Volksheld Jan Ullrich wird 2006 wegen seiner Verwicklung in den Dopingskandal um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes von der Tour ausgeschlossen. Auch andere deutsche Radprofis gestehen jahrelanges Doping und schließlich fliegt auch der siebenmalige Toursieger Lance Armstrong als Betrüger auf. Das deutsche Publikum wendet sich angewidert und enttäuscht ab. Der Radsport ringt ums Überleben, und verschärft den Anti-Doping-Kampf. Eine neue Generation Radprofis verspricht sauberen Sport, aber die Skepsis bleibt. In Düsseldorf soll die deutsche Begeisterung für die Tour nun wieder entfacht werden.

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