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Tennis - die Magie der ersten vier Schläge

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Was ist entscheidend auf dem Tennisplatz? Warum gewinnt ein Spieler wie Novak Djokovic seine Spiele?

Der Australier Craig O'Shannessy ist Profi-Trainer, Fernseh-Experte und Verfechter von Datenerhebungen im Tennis. Mit seiner Daten-Studie "The First 4 Shots" sorgte er in der Tennis-Szene für Aufsehen - und Widerspruch.

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Aufschlag, Return, 3. Schlag - mit Ballwechseln ähnlich den von O'Shannessy beschriebenen holte sich Alexander Zverev den Titel bei den BMW Open in München.

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2015 und 2016 erfasste Craig O'Shannessy die Länge von Ballwechseln bei den Grand-Slam-Turnieren.

Was ihm auffiel: 70 Prozent der Ballwechsel dauerten zwischen 0 und 4 Schlägen.

Und: In 91 Prozent der Fälle gewann der Spieler das Match, der die Mehrzahl der Ballwechsel zwischen 0 und 4 Schlägen für sich entschieden hatte.

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Tatsächlich lag die durchschnittliche Zahl von Schlägen bei den Australian Open 2015 und 2016 bei Männern und Frauen nur in drei von 14 Runden über der für O'Shannessy magischen Zahl von vier.

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Jan de Witt ist ein deutscher Profi-Trainer. Unter anderem coachte er auf der ATP-Tour die Franzosen Gilles Simon und Gael Monfils.

De Witt kennt die Daten O'Shanessys und seine Thesen. Der übergeordneten Wichtigkeit der ersten vier Schläge will er nicht ganz folgen...

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Profi-Trainer Jan de Witt sind diese plakativen Zahlen zu absolut.

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Einige Zahlen sind allerdings frappierend. So dominerte Stan Wawrinka auf dem Weg ins Halbfinale der Australian Open 2015 seine Gegner über die ersten vier Schläge.

66 Prozent der Ballwechsel waren spätestens nach dem vierten Schlag beendet.

Im Halbfinale gegen Novak Djokovic sah das dann ganz anders aus.

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Nachdem die vier ersten Schläge die Matches zuvor für Wawrinka entschieden hatten, hatte er genau dort gegen Djokovic 2015 in Melbourne nichts zu holen - und velor das Duell in fünf Sätzen.

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Trotzdem bleibt de Witt skeptisch.

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Was unter Tennis-Trainern wie de Witt vor allem für Gesprächsstoff sorgt, ist die These, die O'Shannessy aus den Daten zieht:

"Das Training bereitet den Spieler nicht auf die Anforderungen im Match vor. Es geht viel um lange Rallies. Auf dem Platz entscheiden aber die kurzen Ballwechsel."

Kurzum: Laut O'Shannessy wird sowohl im Profi-Tennis als auch in der Ausbildung falsch trainiert.

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Für de Witt ist diese These in Teilen zu kurz gegriffen.

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Ein Grundproblem ist, dass Datenerhebungen und darauf basierende Analysen im Tennis immer noch relativ selten genutzt werden.

Zwar hielt ein Mess- und Dateninstrument wie das Hawk Eye bereits 2006 Einzug ins Profi-Tennis. Die Nutzung der Daten außerhalb der Schiedsrichter-Entscheidungen oder Erhebung anderer Statistiken ging jedoch bisher nur schleppend voran.


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Das gibt auch de Witt zu.

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Eine Analyse der großen Profisportarten des US-Senders ESPN im Jahr 2012 ergab, dass nur im Boxen weniger Daten dem Training und Wettkampf zugrunde gelegt werden als im Tennis.

Von den Top-Sportarten wie American Football, Basketball oder Fußball trennen Tennis Welten.

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Dabei sieht de Witt durchaus Möglichkeiten, Daten im Tennis zu nutzen.

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Mit seiner Firma "Brain Game Tennis" versucht O'Shannessy seit ein paar Jahren, das "Datenloch" im Tennis zu stopfen.

Wo führen welche Schläge zum Ziel? Wie verhält sich ein Spieler in bestimmten Phasen des Spiels? Insgesamt werden zumindest vom Australier mittlerweile große Datenmengen erhoben.

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Auch de Witt nutzt solche Daten zur Analyse, Trainingssteuerung und Gegnervorbereitung.

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Wie in anderen Sportarten bieten auch im Tennis Daten Interpretationsspielraum. Während der Australier O'Shannessy zum Beispiel aus den Daten zu den ersten vier Schlägen radikale Schlüsse zur Neuausrichtung des Profi-Trainings und der Ausbildung zieht, sind sie für andere wie de Witt hauptsächlich eine Ergänzung zum Training.

Insgesamt scheint in einer der größten Einzelsportarten im Bereich Datenanalyse und -anwendung immer noch viel Spielraum nach oben zu sein.

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