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Tom Simpson

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Am 13. Juli 1967 stirbt Tom Simpson am Mont Ventoux anderthalb Kilometer unterhalb des Gipfels. In seiner Trikottasche hat er ein Röhrchen mit Amphetamin-Tabletten. Spuren davon werden später auch in seinem Körper gefunden ebenso wie Alkohol. Simpsons Tod gilt darum bis heute als Symbol für Doping im Radsport. Dahinter verschwindet der Sportler Tom Simpson. Im Alter von nur 29 Jahren hat sich der Brite zu Tode gefahren. Wie konnte es soweit kommen? Und wer war dieser Mensch, von dem viele heute nur noch wissen, wie er gestorben ist? 

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Reportage von der 13. Etappe der Tour de France 1967

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ARD-Reporterlegende Herbert Watterott über den 13. Juli 1967

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Simpson ist mit einem klaren Plan in die Tour gegangen. Er will in Paris auf dem Podium stehen, zumindest aber einige Tage im Gelben Trikot fahren. Damit will er auch seinen Marktwert steigern, denn ein neuer Vertrag steht an. Doch in den Alpen verliert er schon an Boden in der Gesamtwertung. Er fühlt sich krank und kann nichts essen. Dennoch schiebt er sich auf der 12. Etappe von Rang 16 auf den 7. Platz vor. Die Etappe über den Ventoux gilt als Schlüsseletappe für die Gesamtwertung. Simpson seht unter Druck. Im Peloton weiß man, dass er nicht aufgeben wird. Denn das tat Simpson nie.

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Ex-Profi Rolf Wolfshohl über Tom Simpson

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Zwischen 1959 und 1964 fahren Simpson und Rolf Wolfshohl gemeinsam in verschiedenen Profi-Teams. Der Kölner erinnert sich an einen ehrgeizigen, lebenslustigen Kollegen. Simpson stammt aus einer Arbeiterfamilie in dem Bergwerksort Harworth in Mittelengland. Der Radsport bietet ihm die Gelegenheit zum Aufstieg. Schnell macht sich Simpson einen Namen in der überschaubaren Szene in seiner Heimat. Bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne gewinnt er mit dem britischen Team Bronze im 4000-Meter-Verfolgungsrennen auf der Bahn. Sein großes Vorbild ist der Italiener Fausto Coppi. Simpson weiß: Für eine Profikarriere auf der Straße muss er England verlassen.

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Rolf Wolfshohl über den Engländer Tom Simpson

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1959 zieht Simpson auf den Kontinent und lässt sich zunächst in der Bretagne nieder. Schon bald machte er auf sich aufmerksam und erhält einen Profivertrag. Simpson begeistert das Publikum von Beginn an mit seiner aggressiven Fahrweise. Bei seiner ersten Teilnahme am Eintagesklassiker Paris-Roubaix 1960 attackiert er aus einer Spitzengruppe und fährt 40 Kilometer als Solist, bevor er knapp anderthalb Kilometer vor dem Ziel gestellt wird. Im gleichen Jahr feiert er sein Debüt bei der Tour de France. 1962 ist er der erste Engländer in der Geschichte, der sich das Gelbe Trikot überstreifen darf. In seinen Palmarès stehen Siege bei den großen Eintagesklassikern: Flandern-Rundfahrt (1961), Mailand-Sanremo (1964), Bordeaux-Paris (1963) und Lombardei-Rundfahrt (1965). Seinen größten Erfolg feiert er jedoch bei der WM 1965.

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Simpson gewinnt das WM-Rennen 1965 in San Sebastian.

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Mit den Erfolgen kommt der Ruhm: Nach dem WM-Titel wird Simpson in Großbritannien zum Sportler des Jahres gewählt - als erster Radsportler in der Geschichte des Landes. Er beherrscht das Spiel mit den Medien. In Paris, wo er zwischenzeitlich lebt, inszeniert er sich als britischer Gentleman. Auch im Peloton ist der Brite sehr beliebt. Mit Rudi Altig, dem deutschen Star dieser Zeit, den er beim WM-Rennen 1965 besiegt hat, verbindet ihn eine enge Freundschaft. Zu seinen Team-Kollegen zählt 1966 auch der Kölner Karl-Heinz Kunde. Beide fahren gemeinsam die Tour de France in diesem Jahr.

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Interview mit Tom Simpson vor der Tour 1966

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Tatsächlich spielt das Team um Kunde und Simpson zunächst eine gute Rolle bei der Tour de France 1966. Der Kölner übernimmt nach der 12. Etappe das Gelbe Trikot und trägt es fünf Tage lang. Das Team aber setzt weiter auf Simpson als Kapitän. Der aber muss das Rennen nach zwei Stürzen in den Alpen aufgeben.

Simpson und die Tour, das passt schon seit seinem Tag in Gelb 1962 nicht mehr recht zusammen. 1963 startet er nicht, ein Jahr später erreicht er Paris, geschwächt von einem Bandwurm, als 14. der Gesamtwertung. 1965 zwingt ihn der Tourarzt zur Aufgabe, nachdem sich eine Sturzwunde an der Hand entzündet hat und Simpson drei Tage trotz einer Bronchitis weitergefahren ist. Im Krankenhaus wird zudem noch eine Niereninfektion festgestellt.

Simpson ist zutiefst frustriert. Die Tour ist auch damals schon das wichtigste Radrennen der Welt. "Erst die Tour macht einen unsterblich", sagt Simpson in einem Interview. Umso mehr will er bei der Tour 1967 ganz vorne dabei sein.

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Herbert Watterott über Tom Simpson vor der Tour 1967

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Simpson geht geschwächt in die 13. Etappe, aber er weiß, wie er sich in Schwung bringen kann. Auch in dieser Beziehung ist der Mann von der Insel längst in das Peloton auf dem Kontinent integriert. Der ehemalige Radprofi und Journalist Jean Bobet erinnert sich in einer Dokumentation der BBC, wie Simpson ihm am Start der Etappe in Marseille die Zunge herausstreckt - darauf liegen fünf Tabletten. Tonedron sei Simpsons Mittel der Wahl gewesen, sagt Bobet. Amphetamine sind damals weit verbreitet im Fahrerfeld. An diesem fatalen 13. Juli kommt allerdings noch mehr zusammen.

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Rolf Wolfshohl über die Versorgung in den sechziger Jahren

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Reportage von der 13. Etappe der Tour de France 1967

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Herbert Watterott über eine teuflische Mischung

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Tom Simpson bricht auf dem Mont Ventoux zusammen

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Reportage von der 13. Etappe der Tour de France 1967

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Rolf Wolfshohl über den 13. Juli 1967

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Alle Versuche, Simpson zu retten, scheitern. Der Brite wird vom Ventoux mit einem Helikopter ins Krankenhaus nach Avignon geflogen. Dort kann nur noch sein Tod festgestellt werden. Am Abend informiert die Tourdirektion die Medien und Simpsons Kollegen. Die Tour geht am nächsten Tag weiter. Doch ein Wettkampf findet auf der 14. Etappe nicht statt. Das Feld beschließt, dass ein Kollege Simpsons aus dem britischen Team als erster über die Ziellinie rollen soll. Barry Hoban ist der Gewinner dieser Touretappe. Für die Radprofis ist nicht Doping der Grund für Simpsons Tod, sondern eine Verkettung verschiedener Faktoren - ein Unfall. Weshalb etwa Rolf Wolfshohl möchte, dass man sich an seinen ehemaligen Kollegen nicht nur als Dopingopfer erinnert.  

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